Warum Korsika?
In Frankreich haben bis zum 16. Jahrestag des Reaktorunfalls 200
Krebspatienten den Staat verklagt, weil Paris in den Tagen nach
dem Unglück keine Messwerte und Warnungen vor verstrahlter
Milch veröffentlicht hat. Die Kläger verweisen auf jetzt
zugängliche Informationen, wonach auf der französischen
Insel Korsika in den Wochen nach Tschernobyl die Schafmilch mit
bis zu 10 000 Becquerel Cäsium belastet war:
Quelle:
Tchernobyl: La contamination était connue et cachée
Artikel in Le Monde vom 26.2.02.
Mißbildungen bei Tieren gab es schon immer. Das veterinärgenetische
Institut der Universität Gießen besitzt allein 8.000
Präparate. Ein Jahr nach Tschernobyl aber kommt es anscheinend
zu einem nie dagewesenen Anstieg: Fehl- und Frühgeburten
bei Kühen in Bayern und auf Korsika, Ferkel ohne Augen, Küken
mit drei Beinen, Kaninchen ohne Beine, Schafe ohne Fell oder mit
nur einem Auge, Fohlen mit fehlenden Hautpartien, Ziegenlämmer
mit Korkenzieherbeinen oder offenem Bauch. Einige Züchter
melden bis zu 40 Prozent Verluste an Jungtieren. Ein Bericht von
Irene Noll.
Quelle:
Kommentiertes Register des Sachgebietes Tschernobyl-Folgen
ebenda:
Die französische Umweltorganisation CRIIRAD (Commission de
Recherche et d'Information Indépendante sur la Radioactivité
http://www.criirad.com)
stellte am 26. Februar 2002 an der Universität Stendhal in
Valence einen Atlas über die radioaktive Belastung französischen
Bodens durch den Tschernobyl-Fallout und Belege über die
Falschaussagen der Behörden von 1986 bis heute vor. Die Böden
waren im Auftrage von CRIIRAD auf Cäsium-137 hin analysiert
worden. Der Atlas stellt demnach klar, daß die radioaktive
Belastung durch Tschernobyl von den französischen Behörden
heruntergespielt worden war. Die französische Regierung hatte
sogar behauptet, daß die radioradioaktiven Tschernobylwolken
die französische Grenze nicht erreicht hätten. Dem Atlas
zufolge ist jedoch ganz Ostfrankreich vom Elsass bis Korsika kontaminiert
worden ... Criirad legte eigene Messergebnisse vor, die sehr viel
höhere Kontaminationen zeigten. So wurden beispielsweise
in Korsika Werte von bis zu ca. 37.000 Bq/m_ Cäsium-137 ermittelt,
die im offiziellen Kontaminations-Atlas nicht erschienen ... Auf
einer öffentlichen Anhörung in Ajaccio, Korsika, musste
die stellvertretende Leiterin des staatlichen Institutes für
Strahlenschutz und Nukleare Sicherheit (IPSN), Sugier, einräumen,
dass die von französischer Seite für den Atlas der Europäischen
Kommission zur Verfügung gestellten Daten falsch, weil
unvollständig gewesen seien. aus Nucleonics
Week, February 28, 2002
Quelle:
17 JAHRE NACH TSCHERNOBYL von Helmut Hirsch und Oda Becker, Hannover,
April 2003